Ortcharkteristik

Aus der Ortcharakteristik geschrieben 1959 von Max Wenzel

 

Name:

Thietmars Chronik 973 Chorin,

Gründungsurkunde 1154 Corin,

später (1450) Kühren,

Kohren, Korn (alter slawischer Name-.)

Deutung: Wurzel, Steinort (wirtschaftlich siech = wenig ertragreich),

nach Schöttgen: Siedlung am Berge;

nach Mucke: Besitz des Techor (Techorin) = des Trostliebenden, gern Tröstenden. Alle Deutungen sind mit Vorbehalt zu werten.

 

Lage:

Von der Kreisstadt Wurzen etwa 8 km ostsüdöstlich gelegen. Höhenlage 132 – 157 m über NN. Die Fernverkehrsstraße 6 führt mitten durch den Ort (Leipzig – Oschatz – Meißen – Dresden).

 

Bodenverhältnisse:

Im nördlichen Flurteile schwer durchlässiger Geschiebelehm (mächtiger als 1.20 m), sonst sandiger Geschiebelehm bis Sanden, aufsitzend Schotter und grandige Decksande, entlang des Baches, der Kühren durchfließt, sumpfiger Boden. Bodenwert (Bonität) mittelmäßig, Wiesen mittelmäßig bis gering. In den tieferen Schichten fanden sich Quarzitlager, die abgebaut sind ebenso wie das Braunkohlenflöz.

 

Flächengröße:

736 ha, 67 ar. Dazu werden noch 121 ha, 80 ar Schönstädter Flur bewirtschaftet (Wüstung).

 

Einwohnerbewegung:

1154 waren es 16 flämische Siedlerfamilien und einige Slawenhöfe von den 4 – 6 Höfen der abseits gelegenen Mühlgasse.

1550 bewohnten den Ort 36 "besessene Mann" (Bauergüter, zum Teil Handwerker mit Kleinbe-

sitz) und 3 "Inwohner" (Mieter ohne Landbesitz).

1755 auch 36 Familien,

1801 sind es 298 Einwohner,

1830 schon 460,

1860 aber 588,

1900 bereits 617,

heute rund 900.

Die Ortsteile Streuben und Trebelshain (Beidörfer) sind nicht mit inbegriffen.

 

Dorf- und Flurform:

Das aufgesiedelte Kühren von 1154 ist ein Angerdorf mit zwei Straßen und dem Angerblock zwischen beiden, während das abseits gelegene Kühren slawischer Gründung ein Rundling war (Mühlgasse). Vor der Flurzusammenlegung bewirtschafteten die Einwohner 24 Gewanne und einige Blöcke, die aber samt und sonders einem Gute gehörten und wahrscheinlich von dem schon vorher vorhandenen Villikigute stammten.

 

Bauart der Höfe:

Dreiseithöfe, bei denen ohne Ausnahme von der Straße aus gesehen das Wohnhaus linker Hand, das Seitengebäude rechter Hand liegt. Nur die auf dem Anger später erstandenen Höfe kehren die Lage um. Ursprünglich Lehmfachwerk (Staken) auf Bruchsteinuntergeschoß, Satteldach mit Strohdeckung. Heute Ziegelmauerwerk mit Ziegeldach. Bruchsteine aus dem Dornreichenbacher Brüchen (Schönstädt), Ziegel aus dem Kreisgebiet und Schildau. Die ursprüngliche Bauart zeigen noch Gehöft Nr. 29 in der Schulstraße und Nr. 67 in der Mühlgasse. Balkenfachwerk noch ausgezeichnet erhalten. (Ziegeldeckung).

 

Kulturdenkmale:

Kirche in romanischer Bauart, innen Fresken von etwa 1450, überlebensgroße Christopherusfigur, romanischer Taufstein aus Rochlitzer Porphyr noch weit älter, eisenbeschlagene Truhe mit Kunstschloß für Kirchengelder und – Bücher (mindestens aus dem 16. Jahrhundert stammend), ein Kirchenbuch, eingebunden in ein Pergamentblatt eines Messbuches aus vorreformatischer Zeit mit Noten und lateinischer Texte (aus dem 13. Jahrhundert stammend), Lutherlinde auf dem Friedhofe, slawische Wehr- oder Fluchtanlage auf dem Höckerberge unmittelbar hinter dem Dorfe, Taubenhaus im Gute Nr. 8.

 

Flurnamen:

Berge:

Höckerberg, Bruchberg (dort brechen die Quellen auf), auch Butterberg genannt, Bakkenberg, Mühlberg, Schatzberg, Achtrutenberg,

Teiche:

Oberteich (trocken gelegt), Mühlteich, Brückenteich, Weidenteich (trocken), die Dreiweidenteiche (trocken),

Seeteich, der große oder Kührensche Teich, das Richterloch (trocken),

 

Wirtschaftliche Struktur des Ortes:

Ursprünglich, reines Bauerndorf, stets ohne Rittergut, aber mit dem Vorrechte, Handwerker zu setzen, weil außerhalb der Meilenzone von Wurzen gelegen. Nach der Eröffnung der Eisenbahnlinie Leipzig – Dresden und nach Nutzung in industriellen Maße der Schönstädter Steinbrüche Ansiedlung von Arbeitern, nach Haltestellenanlage in erhöhtem Maße, weil Wurzener Betriebe lohnende Beschäftigung boten. Am Orte Waffelfabrik, Molkerei (jetzt stillgelegt), 2 Baugeschäfte, eine Korbflechterei, HO – Verkaufsstelle, Konsumläden (Lebensmittel, Textilien, Schuhwaren, Fleischwaren), 2 Gastwirtschaften, 2 Bäckereien, 2 Gärtnereien, 1 Fleischer, 1 Grünwarenhändler, div. Handwerksbetriebe, 1 Wassermühle (ehemals Säge- und Mahlmühle, LPG, Typ III, Außenstelle der MTS Burkartshain,

 

Besondere geschichtliche Ereignisse:

1348 schwere Verluste durch die Pest;

1430 Zerstörung im Hussitenkriege;

im 30 jährigen Kriege liegen 7 Güter wüst und unbestellt;

im 7 jährigen Kriege, 1812 und 1813 arge Einquartierungen und Anforderungen an Lebens- und Futtermitteln und Geld (Kontributionen).

1827 brennen von 36 Gütern 16 ab, dazu 3 Häusleranwesen, die Schule und die Wirtschaftsgebäude der Pfarre.

Am 14. April 1945 griffen Tiefflieger den haltenden Zug Leipzig – Dresden mit Maschinengewehrfeuer an. 16 Tode waren zu beklagen, die alle in Kühren beerdigt wurden.

Am 4. Juli 1954 feierte man das 800 jährige Bestehen der Neusiedlung.

 

 

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